[Kritikguide][A guide on criticism]

  • [German]

    In unserem Kunstbereich im alten Forum hat es oftmals an Kritik und Rückmeldungen gemangelt, was schade ist, weil viele von uns ihre Zeichnungen oÄ gerade dafür zur Schau stellen. Um Kritik zu sammeln und damit eine Grundlage zu haben sich immer wieder zu verbessern.

    Im Folgenden werde ich ansprechen wie eine Kritik aussehen sollte, warum sie für den Künstler wichtig ist und wie dieser auf eure Kritik bzw Rückmeldung antworten kann. Zudem werde ich hier nur die Oberfläche eines weitreichenden Themas ankratzen. Ebenso kann das Folgende auf viele weitere Kunstformen übertragen werden.


    Das ist der selbe Guide wie im alten Forum btw, ich hab nichts groß dran verändert.


    [English]

    There was often a lack of criticism in our old Gallery (Elsword DE), which is a pity since that's the reason why many of us were sharing our art. Criticism is a basis we need if we want to improve our art.


    In the following I will address how critcism should look like, why it is important and how you as an artist can respond to it. Moreover, I will only scratch on the surface of a far-reaching topic. Also, everything I mention can be applied to more art forms than just drawing and painting.


    I will go through everything in german first, the english version will be below. Please keep in mind that english isn't my first language and even though I did proofread, it's nevertheless possible that I overlooked mistakes. So if something sounds off or is simply wrong I would appreciate a personal message including the corrected text passage so I can correct it!


    Inhalt / Content

    1. Wer darf Kritik verfassen? / Who may criticise?

    2. Was ist Kritik? / What ist criticism?

    3. Die Bedeutung von Kritik / The importance of criticism

    4. Wie ich Kritik verfasse / How do I even write criticism?

    5. Wie ich auf Kritik antworte / How do I respond to criticism?

  • 1. Wer darf Kritik verfassen?

    Ein Grund für die enttäuschende Menge an Rückmeldung, und ich denke jeder, der in unserem Kunstbereich aktiv ist hat schon mal die Aussage mitbekommen, ist wohl das berühmte


    Ich hab keine Ahnung vom Zeichnen, darum kann ich nicht wirklich was dazu sagen.“

    Das ist reiner Unsinn


    In jedem steckt ein Kritiker.“


    Ein Filmkritiker ist kein Regisseur, ein Buchkritiker kein Autor, und Kunstkritiker müssen ebenfalls keine Künstler sein. Jeder, der in der Lage ist sich eine Meinung zu bilden und/oder eine Analyse anzufertigen, kann sich wohl einen Kritiker nennen. Viele lehnen diese Ansicht ab, „nur Kunstkenner können sich als Kritiker ansehen“. Kunstkenner können natürlich auf wesentlich mehr Aspekte eingehen, als die, die sich nicht damit auseinandersetzen. Aber Fakt ist, dass man keine Intelligenzbestie sein und nicht mal selbst Zeichnen können muss, um offensichtliche Fehler im Bild ausmachen zu können, vor allem in den Basics wie Anatomie, Proportionen und Perspektive.


    Jeder ist ein Kritiker und es braucht nicht viel um Makel in den Werken oder auch Stärken des Künstlers ausmachen zu können.

    2.) Was ist Kritik?

    Eine Kritik ist eine ehrliche und subjektive Meinung über die kreative Arbeit eines anderen. Diese behandelt eine Anzahl von Aspekten, wie zum Beispiel das Thema, die Darstellung, die Technik und noch viele weitere. Die Absicht hinter einer Kritik, ist es, dem Künstler bei der Weiterentwicklung seines Könnens behilflich zu sein und auch sein (sowie das eigene) kritische Auge zu schulen.


    3.) Die Bedeutung von Kritik

    Wofür überhaupt Kritik verfassen, warum ist Kritik so wichtig für Künstler?

    Aus dem selben Grund warum Autoren Editoren und Schauspieler Regisseure brauchen. Ein Schauspieler sieht sich auf der Bühne nicht selbst. Seiner Meinung nach sind sein Spiel und die Delivery überzeugend, makellos. Der Regisseur jedoch erkennt, in welchen Punkten man die Performance verbessern könnte, denn der Regisseur sieht das Spiel aus einer ganz anderen Perspektive: aus der, des Publikums.


    Das ist es auch, was wir in allen anderen Kunstformen brauchen: ein außenstehendes Paar Augen, was uns die Richtung weist. Während der Künstler manche seiner Fehler selbst erkennen und berichtigen kann, gibt es vieles was er übersieht oder nicht als Makel wahrnimmt. Dafür sind die Meinungen von Außenstehenden wichtig, denn diese sehen unser Werk nicht mit den Augen eines Künstlers, sondern mit denen eines Betrachters. Wir als Künstler müssen wissen, wie unsere Arbeit weiter verbessert werden kann. Wir müssen verstehen, wie die Betrachter unsere Arbeit wahrnehmen. Und genau hierbei spielt Feedback eine wichtige Rolle.

  • 4.) Wie Kritik/Feedback aussehen sollte

    Bevor wir uns ansehen wie die Kritik aussehen sollte, schauen wir uns erstmal an was für Aspekte wir überhaupt kritisieren können. Im Grunde können wir es auf zwei Bereiche reduzieren: Aspekte der Darstellung und den Aspekt des Themas.


    Aspekte der Darstellung

    Diese sind in der Regel einfacher zu kritisieren und auch das, was die meisten tatsächlich kritisieren werden. Also was kann man hierzu sagen?


    Das Medium

    Das Medium ist die Kunstform, für die sich der Künstler entschieden hat. Malerei, Plastik, Fotografie usw.


    Mögliche Kritikpunkte:

    > Wurde das richtige Medium für ein Werk gewählt? Oder würde das Werk in einem anderen Medium besser wirken?

    > Wo liegen die Stärken des Künstlers beim gewählten Medium? Wo die Schwächen? Und wie kann man diese verbessern?


    Die Technik

    Medium und Technik gehen Hand in Hand. Es gibt Unmengen an Techniken in der Malerei und anderen Kunstformen. Man bedenke die Lyrik und all ihre Stilmittel..


    Mögliche Kritikpunkte:

    > Wie viel holt der Künstler aus seinem Medium heraus? Benutzt er durchgehend eine Technik, oder sind verschiedene zu erkennen?

    > Hat er die genutzten Techniken bereits gemeistert oder sind sie verbesserungswürdig? Wie könnte man sie verbessern?

    > Unterstützt die gewählte Technik die Absicht des Künstlers/ die Aussage/Wirkung vom Bild? Hätte eine andere Technik eventuell besser gepasst?


    Komposition

    Unter der Bildkomposition versteht man die Anordnung und Verbindung der verschiedenen Elemente im Bild.


    Mögliche Kritikpunkte:

    > Unterstützt die Komposition die Wirkung/Aussage des Bildes?

    > Ist die Komposition in sich stimmig? Oder gerät sie aus den Fugen? Was hätte man anders machen können?

    > Ist die Komposition streng geometrisch oder eher organisch? Wie wirkt sich das auf das Bild aus?


    Kontraste

    Es gibt vielerlei Kontraste, von Hell/Dunkel – über Farb – hin zu Oberflächenkontrasten


    Mögliche Kritikpunkte:

    > Gibt es genug Kontraste, oder wirkt das Bild sehr eintönig auf Grund mangelnder Kontraste?

    > Wurde gut mit dem Hell/Dunkelkontrast gearbeitet um dem Bild Tiefe zu verleihen? Oder sieht es immer noch zweidimensional aus? Müssen die Kontraste stärker sein?


    Aspekte des Themas

    Diese sind meist eher persönlich, darum fällt es einem oftmals schwer etwas dazu zu sagen.


    Mögliche Feedbackpunkte:

    > Wie wirkt das Bild auf mich? Ruft es irgendwelche Emotionen hervor?

    > Was war die Intention des Künstlers?

    > Interpretiere ich das Bild vielleicht ganz anders als er?


    Mir ist klar, dass niemand auf all das Zeug eingehen kann oder will, vor allem da unsere Galerie von Characterportraits und Aufträgen dominiert wurde/wird, aber es sollte zumindest ein Anstoß sein.


    okey, wir haben nun gelernt, was wir kritisieren können, also los geht’s, kritisieren wir ein bisschen!


    desch kawaii!!!“

    „Ihre Arme sehen voll komisch aus“

    Ich mag deine Bilder“

    Die Komposition ist doof“

    Das sind alles weder Kritiken, noch brauchbares Feedback, mit solchen Aussagen können die wenigsten etwas anfangen. Kritik sollte konstruktiv sein und gezielt auf den Punkt gebracht werden. Wir müssen etwas mit der Kritik anfangen können; sie muss einen Nutzen für uns haben. Sie sollte nicht eine einfache Liste aus Makeln und vagen Komplimenten sein. Aussagen, wie jene oben, mögen zwar stimmen, aber bieten weder Lösungsansätze für den Künstler, noch stützende Argumente warum die Arme nun voll komisch aussehen. Stattdessen sollte die Kritik stützende Aussagen für die jeweilige Meinung beinhalten.


    Ich merke du hast deine Referenzen von japanischem Essen mit Nekofaces gut studiert und das in dein Werk mit einbringen können, weshalb es auf mich sehr kawaii wirkt.“

    Ihre Arme sehen etwas seltsam aus, da ihr Oberarm im Verhältnis zum Rest des Körpers viel zu kurz ist. Der Ellenbogen Sollte in etwa auf der Höhe der Taille sitzen!“

    Ich mag deine Bilder auf Grund deiner spannungsvollen Kompositionen, die du mit der kräftigen Farbgebung noch weiter unterstreichst.“

    Die Komposition ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten, da die Bildfläche auf der linken Seite total überfüllt, und auf der rechten Seite so gut wie leer ist. Vielleicht kannst du beim nächsten Mal drauf achten, das etwas auszubalancieren.“

  • 5.) Auf Kritik antworten – aber wie?

    Wir haben nun Kritik erhalten, aber wie reagieren wir nun drauf?

    In erster Linie sollten wir dem Kritiker dafür danken, dass er sich die Zeit genommen hat sich mit unserem Werk auseinanderzusetzen. Das sollte aber selbstverständlich sein.


    Was wir im Hinterkopf behalten müssen, ist, dass es unsere Entscheidung ist, ob wir die Kritik annehmen oder nicht. Und es ist auch unsere Entscheidung, ob wir die Kritik in spätere Werke einfließen lassen, oder nicht. Stimmen wir der Kritik zu, gibt es in den meisten Fällen nicht mehr zu sagen als einen Dank. Aber was, wenn wir nicht zustimmen?


    Finden wir eine Kritik abwegig, dürfen wir sie in erster Linie nicht persönlich nehmen. Unser Werk wird kritisiert, nicht wir oder unsere Persönlichkeit. Es gibt keinen Grund emotional zu werden und eingeschnappt zu reagieren. Eine

    solche Situation bietet in erster Linie eine gute Grundlage für eine Diskussion. Wenn wir unserem Kritiker nicht zustimmen, nehmen wir Stellung und bieten ihm eine Erklärung unsererseits. Warum haben wir dies und jenes so gemacht und nicht anders? Warum denken wir, dass wir im Recht sind? Oder könnte vielleicht ein Kompromiss zwischen beiden Ansichten die Lösung sein?


    Letztlich ist es für den Künstler selbst aber auch wichtig, nicht nur nach Kritik für seine eigenen Werke zu geiern, sondern sich selbst mit den Werken anderer auseinanderzusetzen. Die Kritik schult nicht nur den Künstler, sondern auch den Kritiker, welcher in dem Fall ebenso ein Künstler ist. Damit ist nicht nur den anderen Künstlern geholfen; ihr sammelt auch selbst Erfahrung und das ist doch eine coole Sache, huh?

  • 1. Who may criticise?

    One reason for the disappointing amount of feedback in our old gallery - and I think everyone who is active in our media library has already heard the statement at least once – was and probably still is the famous


    I don't know anything about drawing or art in general, so I can't really say anything about it.“

    That's plain nonsense


    Everyone is a critic.“

    A film critic isn't a director, a book critic isn't an author and art critics don't have to be artists either. Anyone who is able to form an opinion and/or make an analysis can probably call themself a critic. Many reject this view. „Only art connoisseurs can see themselves as critics“. Art connoisseurs can of course deal with many more aspects than those who don't really deal with the topic of art on a regular basis. But in fact, you don't have to be a brainiac and you don't even have to be able to draw to identify obvious flaws of an artwork, especially concerning the basics such as anatomy, proportions and perspective. Even if something just seems off to you but you haven't quite figured out yet what the problem is – tell us!


    Everyone can be a critic and it doesn't take much to identify certain flaws or strenghts in the artist's work.


    2.) What exactly is criticism?

    A critique is an honest and subjective opinion about someone else's creative work. This covers a number of aspects such as the topic of the artwork, the presentation, the technique and many more. The intention of a constructive critique is to help artists develop their skills and to train their (as well as your own) critical eye.


    3.) The Importance of criticism

    Why write criticism at all, why is criticism so important for artists?

    It's for the same reason why authors need editors and actors need directors. An actor doesn't see himself on stage. In his opinion, his acting and delivery may be convincing if not flawless. The director, however, recognizes in which points the performance is lacking and could be improved. That's because he sees the play from a completly different point of view: from that of the audience.


    That's exactly what every art form needs: an „outside“ pair of eyes that points us in the right direction. While the artists can recognize and correct some of their mistakes themselves, there will still be things they may overlook or doesn't perceive as a possible flaw. The opinions of outsiders are important because they see our work not with the eyes of the artist but with those of an observer. We as artists need to know how our work can be further improved. We need to understand how others perceive our art. And that's where feedback plays an important role.

  • 4.) How should criticism/feedback look like?

    Before we take a look at what criticism should look like, we should first take a look at what aspects we can criticize at all. Basically, we can break it down into two main aspects: the representation of the motif and the overall topic of the artwork.


    Aspects of representation

    These are usually easier to criticise and also what most people will actually criticise.

    So what can you say?


    The medium

    The medium is the art form the artist has chosen e.g painting, sculpture, photography etc.

    (avoiding potential confusion here: „Medium“ can be also used to describe artistic material eg. „oil on canvas“ or „ink on paper“)


    For example

    > Was the right medium chosen for the artwork? Or would it look more interesting in your opinion if it was done in another medium?

    > What are the artist's strenghts regarding the chosen medium? Are there weaknesses? How could these be improved?


    The technique

    Medium and technique go hand in hand. There are tons of techniques for painting and other art forms. Consider poetry and all its stylistic devices.


    For example

    > How does the artist utilize his medium of choice? Does he use one technique throughout, or are there many different ones?

    > Has he mastered the techniques used in the artwork or are they in need of improvement?

    > Does the chosen technique support the artist's intention/message/effect of the artwork? Would another technique have fitted better?


    Composition

    The composition is the arrangement and connection of the various elements in the artwork.


    For example

    > Does the composition support the message of the artwork?

    > Is the composition coherent? Or is it falling apart? What could've been done differently?

    > Is the composition strictly geometric or rather organic? How does this affect the artwork?


    Contrasts

    There are many contrasts ranging from light/dark, color to warm/cold and even texture contrasts.


    For example

    > Are there enough contrasts, or does the artwork appear monotonous due to a lack of contrasts?

    > Did the artists work well with light/dark contrasts to give the artwork depth? Or does it look too two-dimensional? Should the contrasts be stronger? (→ shading)


    Aspects of the topic

    These are usually more on the personal/emotional side, so it's often more difficult to say something about them imo.


    For example

    > How does the artwork affect me? Does it evoke any emotions?

    > What do I think was the artist's intention?

    > Do I interpret the artwork differently than others or the artist do/does?


    I know that nobody can nor want to go into all of the mentioned stuff, especially since our (Els DE) gallery was dominated by character portraits and comissions, but it should be an impulse to say at least something.


    Okey, since we've learned what we can criticise and how, let's go and criticise a little!

    „Her arms look weird“

    „The composition is odd“

    „dat's kawaii!!!“

    I like your drawings“

    These are neither constructive nor useful feedback. Our ego may benefit from statements like „I like your drawings“ but it isn't really helpful regarding improvement. It shouldn't be a simple list of flaws and vague compliments. While statements like those above may be true they neither offer solutions nor supporting arguments for why the arm is looking off. Instead, the criticism should contain statements supportion the respective opinion.


    „Her arms look slightly strange I think. Her upper arm is way to short in relation to the rest of her body. The elbow should be at about waist level!“

    „The composition seems out of balance. The left side of the painting is overcrowded while it's almost empty on the right. Maybe you can keep that in mind for your next artwork!“


    „I notice you have studied your references of Japanese food with nekofaces well and have been able to incorporate that knowledge into your work. Which is why it seems so kawaii to me.“

    „I like your drawings because of your exciting compositions, which you emphasize even more with the strong coloring.“

  • 5.) Responding to criticism – but how?

    We have now received some criticism, but how do we respond?

    First of all, we should thank the critic for taking the time to look at our work and even giving feedback. But that goes without saying.


    You have to keep in mind that it's your decision whether or not you agree with the criticism. And it's also your decision whether or not to incorporate the criticsm into later artworks. If we agree to the criticism I find in most cases there's not much to say.


    But if you disagree with certain criticism, you must not take it personally first and foremost. Your work is being criticised, not you or your personality. There's no reason to get all emotional and huffy. A situation like this is nothing more than a basis for discussion. If you disagree with your critic, take a stand and offer him an explanation on why you did this and that and why you think it's not a fault/flaw. Or perhaps a compromise between both views could be the solution?


    In the end, however, it's also important for the artist himself to not only criticise his own work – I know you all love to do it – but also the work of other artists as well. Criticism isn't only beneficial to the artists who are being criticised, but also to oneself. You will gain experience by observing other's art and become more aware of your own art and that's a cool thing, right?